Rückblick aus dem Jahr 2025

Schaue ich auf die 16 vergangenen Jahre zurück, ist natürlich eine Menge passiert in der Entwicklung unserer Mädels. Alle drei haben eine Berufsausbildung abgeschlossen, Yvonne als Medien-Designerin, Celeste als Tischlerin und Pia, die auch das Abitur geschafft hat, ist medizinische Pflegefachkraft in der Intensivstation eines Krankenhauses. Früher hatte man gelernte Krankenschwester dazu gesagt. Alle sind zufrieden mit ihrer Arbeit, nur bei Yvonne klappt es nicht. Sie hat gesundheitliche Probleme, immer wieder Depressionen und schafft es nicht, irgendeinen Job länger durchzuhalten. Sie lebt mit ihrem Freund vom Bürgergeld.

Celeste und Pia haben von uns den Führerschein geschenkt bekommen, immerhin jedesmal um die 1800,-€, okay, das ist heutzutage um Längen teurer, war aber damals noch zu stemmen. Celeste ist eine routinierte Autofahrerin, fährt auch beruflich immer mal einen Transporter, aber Pia ist bis auf die Fahrstunden nicht wieder gefahren. Sie will es immer mal und merkt auch das Manko, wenn sie im Urlaub mit einem Mietwagen besser käme. So hoffen wir, dass sie es doch noch schafft, sich wieder hinters Lenkrad zu klemmen. Yvonne hat von Anfang an gesagt, dass sie mit den Öffentlichen gut bedient ist und keinen Führerschein haben will.

Im Sommer 2015 hatten wir mit Celeste zusammen ihre Patentante in der Nähe von Köln besucht. Dort machte das Getriebe vom Mitsubishi Colt schlapp, schneller als 90 km/h konnte man nicht mehr fahren, sonst gab es krasse Geräusche, als wenn jemand den Motor zersägen würde. Der ADAC konnt auch nur feststellen, dass der Schaden eine größere Reparatur nach sich ziehen würde. Sie transportierten aber das Auto kostenlos wieder nach Berlin. Nun war guter Rat teuer. Wir standen zu dritt mit Gepäck und Rollstuhl ohne Auto da. Zufällig sah ich die Werbung von Mitsubishi für den Space Star, der unter 9000,-€ zu haben war. Wir schafften es, den Papierkram einschließlich Kredit an einem Tag zu erledigen, und konnten dann mit einem Überführungskennzeichen zurück nach Berlin fahren. Das Auto hatte ein grüne Farbe, wurde dann von Celeste gefahren und Fröschli getauft. Leider hatte Celeste im darauf folgenden Winter die Glätte in einer Kurve unterschätzt und beendete das Leben von Fröschli. Dank der Vollkasko war das finanziell aber nicht das Problem. So musste sie erst einmal ohne Auto klar kommen.

Worauf wir auch ein bisschen stolz sind, alle drei Mädels lesen sehr gerne und wünschen sich zu Weihnachten und zum Geburtstag viele Bücher. Da hat unser gutes Vorbild doch etwas abgefärbt. Wenn ich mich heute so umschaue, nur noch die wenigsten Jugendlichen haben Freude am Buch. Wenn es hoch kommt, dann ist mal ein Hörbuch angesagt, aber ansonsten sind sie alle handysüchtig. Meine Töchter benutzen auch sehr oft ihr Handy, aber nicht ausschließlich und das ist der feine Unterschied. Celeste interessiert sich auch für's Nähen und hat mittlerweile eine gute Nähmaschine. Sie kommt da ganz nach der Mama, die in dem Punkt eine gute Lehrerin ist. Yvonne zeichnet immer noch gerne, in erster Linie Mangas und Comics.

Celeste arbeitet gerne in diesem körperlich schweren Job und leistet gute, qualitativ hochwertige Arbeit. Leider ist die Bezahlung in dem Beruf nicht so üppig, so dass sie nach der Arbeit oftmals in einem Catereringservice zusätzlich Geld verdient, um sich den Besuch von Festivals und den Urlaub leisten zu zu können. Nach mehreren Anläufen hat sie nun seit über einem Jahr einen Partner gefunden, mit dem sie sich ein gemeinsames Leben vorstellen kann. Sie sind vor kurzem zusammen in eine Wohnung gezogen und fühlen sich da sehr wohl. Ihr Partner ist in einer christlichen Gemeinde sehr aktiv und sie hat Gefallen daran gefunden. Gemeinsam organisieren sie die Kinderbetreuung und führen diese regelmäßig durch. Ihr ADHS macht ihr natürlich immer noch zu schaffen, das verschwindet eben nicht und wird sie ihr Leben lang begleiten. Wenn sie mal ihre Tabletten vergessen hat zu nehmen, ist sie unkonzentriert und schwer genießbar. Zum Glück hat ihr Partner die nötige Geduld, um damit klar zu kommen.

Urlaubsmäßig hat sie schon eine Menge erlebt. So war sie in Ägypten und dort auch Tauchen, in Portugal an der Algarve, in Thailand und mehrmals in Spanien, von Polen ganz abgesehen. Früher ist sie auch mehrmals mit uns zusammen in den Urlaub nach Südtirol gefahren und war ein angenehmer Reisebegleiter. Sie ist so schön flippig, da macht es richtig Spass mit ihr.

Mit Yvonne läuft es leider nicht so. Sie hat jahrelang mit starkem Übergewicht zu kämpfen gehabt, bekam eine Reha-Maßnahme und hat den Absprung geschafft. Jetzt hat sie schon seit gut einem Jahr wieder Normalgewicht und achtet auch sehr darauf, dieses Gewicht zu halten. Ich habe mit ihr viele Tagesausflüge in die nähere Umgebung Berlins gemacht, zusammen mit Celeste waren wir auch ein paar Tage im Harz gewesen und machten dort die Sehenswürdigkeiten unsicher. Durch die Eltern ihres Freundes, mit dem sie mittlerweile 13 Jahre befreundet ist und auch zusammen lebt, hat sie eine Kreuzfahrt im Mittelmeer geschenkt bekommen, und hat da natürlich auch sehr viel erlebt.
Mit dem ADHS hat sie sich arrangiert. Sie achtet auf die regelmäßige Tabletteneinnahme und hat somit keine Probleme, was diese Krankheit angeht.
Ich wünsche ihr von ganzem Herzen, dass sie das mit einem Job in die Reihe bekommt. Aber generell ist sie ein angenehmer Zeitgenosse, wenn auch sehr dünnhäutig, was Kritik anbelangt.

Pia ist aus ganz anderem Holz geschnitzt. Sie hat sich zu einer wirklich schönen Frau entwickelt, wie ihre Schwestern auch, und ist sich dessen voll bewusst. Mit 18 Jahren war die Dauerpflege beendet, sie ist und bleibt aber unsere Tochter. Das haben wir ihr oftmals vermittelt und sie fühlt sich auch sehr wohl bei uns.
Als sie das Abitur in der Tasche hatte, war die Wahl des Berufes nicht so einfach für sie gewesen. Viele Bewerbungen hat sie geschrieben, unter anderem an die Polizei und die Justiz. Letztlich hat sie sich für die Arbeit als Pflegefachkraft entschieden und bereut diese Entscheidung auch nicht, wenn da nicht der Schichtdienst wäre. Der schlaucht schon ganz schön, bringt viel Verantwortung mit sich, aber auch eine gute Bezahlung. In dem Punkt kann sie nicht meckern. Pia hat nur wenige Freundinnen, die aber auch schon über einen langen Zeitraum. Sie fahren zusammen in Urlaub, wenn es gerade mit dem Partner nicht möglich ist.

Mit der Wahl ihrer Partner hatte sie bis heute nicht soviel Glück, was eine dauerhafte Beziehung anbelangt. Sie versucht es immer wieder und war mit ihrem letzten Partner auch über ein Jahr zusammen. Ihre Wohnung hatte sie aufgegeben und ist zu ihm nach Mahlow an den Stadtrand von Berlin gezogen. Nachdem die Beziehung gescheitert ist, wohnte sie drei Monate bei uns, bis es mit einer eigenen Wohnung geklappt hat. Sie hatte Glück und wohnt nun ganz in der Nähe ihres Arbeitsplatzes und spart dadurch ein Menge Zeit mit dem Arbeitsweg. Sie ist sehr strukturiert und es macht Spass, zum Beispiel mit ihr Einkaufen zu gehen, Konzentriert und schnell läuft das ab. Sie hat auch Probleme damit, ein vernünftiges Gewicht zu halten. Das Essen schmeckt halt und sie wechselt immer mehr zur vegetarischen Fraktion. Nunmehr geht sie regelmäßig zum Sport und da kann es nur besser werden.

© PM 01/2026